David Dilmaghani, 1981 geboren, studierte Philosophie, Politologie und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, Paris, Bordeaux und Tel Aviv. Nach mehreren Jahren an der Universität, darunter als Fellow der Max-Planck-Gesellschaft, wo er in den Bereichen von Kunst und Gesellschaft forschte, war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Hessischen Landtag. 2016 wechselte er in das Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main, dessen Büro er über sieben Jahre leitete. Dort war er vor allem für strategische Fragen zuständig. Seit 2024 leitet David Dilmaghani das Ministerbüro im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur.
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2024
THEMADie Einzigartigkeit der Shoa und die besondere Verantwortung Deutschlands gehören zum Identitätshaushalt der alten Bundesrepublik: Aus dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden und Jüdinnen ergibt sich der Schutz jüdischen Lebens als Ultima Ratio bundesdeutscher Innen- und Außenpolitik. Spätestens seit dem 7. Oktober, dem Massaker der Hamas in Israel und dem darauf folgenden Krieg in Gaza zeigt sich, dass diese – nicht zuletzt im Historikerstreit der Jahre 1986 und 87 – mühsam errungene Erinnerungskultur nicht mehr als unhinterfragbare moralische Ressource taugt. Wie universell ist ein moralischer Standpunkt, der sich aus einer Schuld ableitet? Welche moralische Verpflichtung erwächst aus dem singulären Verbrechen der Deutschen für Menschen, deren Zugehörigkeit zu diesem Land fortwährend in Frage gestellt wird. Was wäre also eine zeitgemäße Erinnerungskultur und gelungene Aufarbeitung in unserer pluralen Gesellschaft? Und wie passen die besondere Verantwortung, die aus historischer Täterschaft erwächst, mit einer Sensibilität für das Leid und Elend der Gegenwart und Zukunft zusammen?
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