wurde 1944 in Damaskus geboren. In Damaskus erhielt er auch das Abitur (das franz. Baccalauréat). 1962 kam er nach Frankfurt und studierte dort Sozialwissenschaften, Philosophie und Geschichte u.a. bei Horkheimer, Adorno, Habermas und Fetscher. Seine Promotion erlangte er 1971 in Frankfurt, die Habilitation in Hamburg. Von 1970 und 2010 folgte eine internationale, auf allen fünf Kontinenten stattgefundene akademische Laufbahn. Tibi gilt als Begründer der Wissenschaft der historisch-sozialwissenschaftlichen Islamologie als Analyse des postbipolaren Konflikts. Nach 37 Jahren der Lehre als Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Göttingen ist er seit 2009 Emeritus. Zusätzlich war er von 2004 bis 2010 A.D. White Professor an der Cornell University, USA, neben seiner Tätigkeit als Senior Research Fellow an der Yale University, USA (2008/09). Zuvor wirkte er von 1982 bis 2000 in verschiedenen Funktionen an der Harvard University. Seinen Hauptwohnsitz hat er nach der Emeritierung in Deutschland behalten.
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2016
THEMAIn Europa wächst derzeit das Bestreben, das Eigene zu definieren und das heißt: sich abzugrenzen. Grenzzäune sind wieder an den Staatsgrenzen errichtet worden. Gesellschaftliche Gruppen stecken ihre Terrains und Claims auf der Suche nach sozialen, kulturellen und religiösen Eigenheiten immer entschiedener, nicht zuletzt aggressiver ab. Nachdem auch staatliche Obergrenzen für Flüchtlinge heftig diskutiert werden, steht die Frage im Raum, wo die inneren Grenzen der offenen Gesellschaft sind. Die Diskussionen um Burka-Verbote, die Verweigerung von Handschlägen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen: All das zeigt, begleitet von öffentlicher Empörung, eine nervöse Verunsicherung über die eigene Identität. Was gehört noch unverzichtbar zum gesellschaftlichen, zum kulturellen und religiösen, nicht zuletzt zum nationalen Selbstverständnis? Wo liegt die Grenze, hinter der das Eigene sich auflöst und das Fremde beginnt? Worauf spekuliert ein völkisches Identitätskonzept, das populistische Parteien in ganz Europa derzeit so erfolgreich propagieren, in einer globalisierten Welt? Die Römerberggespräche wollen in Erfahrung bringen, wie mit individuellen Verunsicherungen und einem allgemeinen Unbehagen umgegangen werden kann? Was sagen uns diese Identitätskonflikte über unsere Gesellschaft? Welche Formen der Identität gibt es in einer pluralistischen Gesellschaft? Und wie soll ein liberaler Rechtsstaat mit den Herausforderungen gelebter und beanspruchter Mannigfaltigkeit umgehen? Wieviel Vielfalt können wir ertragen, wieviel Einheit müssen wir fordern, und was darf an wechselseitiger Integration verlangt werden?
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