Dr. med. Ulrich Noss, geboren 1948 in Düsseldorf. Humanistisches Humboldt-Gymnasium, Abitur 1968. Studium der Philosophie und Germanistik in Freiburg i. Br. Studium der Humanmedizin in Düsseldorf, Heidelberg und Freiburg i. Br. Promotion zum Thema „Circadianrhythmus von Estradiol und Cortisol in der Spätschwangerschaft“ bei Prof. Breckwoldt, Freiburg i. Br. Facharztausbildung Gynäkologie und Geburtshilfe bei Prof. Döring, München 1979-1980
bei Prof Hepp, Homburg Saar1981-1983 und München LMU 1984-1987. Aufbau und Leitung des Zentrums für Reproduktionsmedizin an der LMU München, erstmals Schwangerschaft nach IVF 1984, Schwangerschaft nach Intratubarem Gametentransfer (GIFT) erstmals in Deutschland 1985. Gründung des Zentrums für Reproduktionsmedizin in München (gemeinsam mit Dr. W. Bollmann und Dr. Th. Brückner) 1987/88. Erstmals Schwangerschaft und Geburt nach ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion ICSI) in Deutschland 1993. 2004 Gründung und 2. Vorsitzender des Berufsverbands Reproduktionsmedizin Bayern e. V. BRB. 2006 Gründung und Vorstand der gemeinnützigen „Stiftung Kinderwunsch“. 2013 Gründung und Vorstand des „Netzwerk Embryonenspende“.
Verheiratet seit 1975, drei Kinder, vier Enkel.
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2015
THEMALange Zeit wurden Ehe und Familie als Grundpfeiler der bürgerlichen Gesellschaft angesehen. Die Rollen und ihre Besetzung schienen fixiert, echte Alternativen kaum verfügbar. Der Fortschritt der Reproduktionsmedizin und der sozialethische Wandel haben die traditionalen Bilder in Frage gestellt – und sie erzeugen neue Konflikte. Die gesellschaftlichen Rollen und wirtschaftlichen Funktionen sind längst nicht mehr selbstverständlich. Stattdessen erscheinen neue Möglichkeiten sozialer Verbindungen, die unsere Natürlichkeitsvorstellungen herausfordern. Zugleich bleiben Ehe und Familie als normatives Modell begehrenswert. Derzeit ist eine Vielzahl von sozialen und technischen Praktiken umstritten: Nach Homoehe und Regenbogenfamilie werden Social Freezing, Inzestverbot und Polyamorie diskutiert. Der Streit betrifft nicht nur die Liberalisierung und rechtlichen Anerkennung der sozialen Rollen, er umfasst auch Fragen der Legitimität des technisch Machbaren. Wo liegen die Grenzen von Ehe und Familie, und wie sollen wir mit den Konflikten umgehen?
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