Referent_Innen

REFERENT_IN

Udo di Fabio

Udo Di Fabio, geb. 1954, war von 1970-1980 Kommunalverwaltungsbeamter bei der Stadt Dinslaken; 1982 Erstes Juristisches Staatsexamen; 1985 Zweites Juristisches Staatsexamen; 1985–1986 Richter beim Sozialgericht Duisburg; 1987 Promotion Rechtswissenschaften; 1990 Promotion Sozialwissenschaften; 1993 Habilitation Rechtswissenschaften an der Universität Bonn; 1993–2003 Professuren an den Universitäten Münster, Trier, München; 1999–2011 Richter des Bundesverfassungsgerichts; seit 2003 an der Universität Bonn; seit 2006 Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste; seit 2017 Direktor des Forschungskollegs normative Gesellschaftsgrundlagen (FnG) in Bonn. Veröffentlichungen (Auswahl): Coronabilanz: Lehrstunde der Demokratie (2021); Die Weimarer Verfassung. Aufbruch und Scheitern (2018); Herrschaft und Gesellschaft (2018); Urheberrecht und Kunstfreiheit unter digitalen Verwertungsbedingungen (2018); Weltwirkung der Reformation (2017); Grundrechtsgeltung in digitalen Systemen (2016); Schwankender Westen (2015); Wachsende Wirtschaft und steuernder Staat (2010); Gewissen, Glaube, Religion (2. Aufl. 2009); Die Kultur der Freiheit (2005); Die Staatsrechtslehre und der Staat (2003); Das Recht offener Staaten. Grundlinien einer Staats- und Rechtstheorie (1998); Risikoentscheidungen im Rechtsstaat (Habilitation Rechtswissenschaften 1994); Offener Diskurs und geschlossene Systeme (Promotion Sozialwissenschaften 1990); Rechtsschutz im parlamentarischen Untersuchungsverfahren (Promotion Rechtswissenschaften 1987).

VITA

    • 2016


      THEMA
      In Europa wächst derzeit das Bestreben, das Eigene zu definieren und das heißt: sich abzugrenzen. Grenzzäune sind wieder an den Staatsgrenzen errichtet worden. Gesellschaftliche Gruppen stecken ihre Terrains und Claims auf der Suche nach sozialen, kulturellen und religiösen Eigenheiten immer entschiedener, nicht zuletzt aggressiver ab. Nachdem auch staatliche Obergrenzen für Flüchtlinge heftig diskutiert werden, steht die Frage im Raum, wo die inneren Grenzen der offenen Gesellschaft sind. Die Diskussionen um Burka-Verbote, die Verweigerung von Handschlägen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen: All das zeigt, begleitet von öffentlicher Empörung, eine nervöse Verunsicherung über die eigene Identität. Was gehört noch unverzichtbar zum gesellschaftlichen, zum kulturellen und religiösen, nicht zuletzt zum nationalen Selbstverständnis? Wo liegt die Grenze, hinter der das Eigene sich auflöst und das Fremde beginnt? Worauf spekuliert ein völkisches Identitätskonzept, das populistische Parteien in ganz Europa derzeit so erfolgreich propagieren, in einer globalisierten Welt? Die Römerberggespräche wollen in Erfahrung bringen, wie mit individuellen Verunsicherungen und einem allgemeinen Unbehagen umgegangen werden kann? Was sagen uns diese Identitätskonflikte über unsere Gesellschaft? Welche Formen der Identität gibt es in einer pluralistischen Gesellschaft? Und wie soll ein liberaler Rechtsstaat mit den Herausforderungen gelebter und beanspruchter Mannigfaltigkeit umgehen? Wieviel Vielfalt können wir ertragen, wieviel Einheit müssen wir fordern, und was darf an wechselseitiger Integration verlangt werden?
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