#44
Sehnsucht nach Grenzen

Identitätssuche in Zeiten des Populismus
SAMSTAG, 3. Dez 2016, 1018 Uhr Schauspiel Frankfurt am Main Moderation: HADIJA HARUNA-OELKER und ALF MENTZER FREIER ZUGANG

SAMSTAG

3. Dez 2016

10 Uhr – 18 Uhr

Schauspiel Frankfurt am Main
 
 
DAS THEMA

In Europa wächst derzeit das Bestreben, das Eigene zu definieren und das heißt: sich abzugrenzen. Grenzzäune sind wieder an den Staatsgrenzen errichtet worden. Gesellschaftliche Gruppen stecken ihre Terrains und Claims auf der Suche nach sozialen, kulturellen und religiösen Eigenheiten immer entschiedener, nicht zuletzt aggressiver ab. Nachdem auch staatliche Obergrenzen für Flüchtlinge heftig diskutiert werden, steht die Frage im Raum, wo die inneren Grenzen der offenen Gesellschaft sind.

Die Diskussionen um Burka-Verbote, die Verweigerung von Handschlägen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen: All das zeigt, begleitet von öffentlicher Empörung, eine nervöse Verunsicherung über die eigene Identität. Was gehört noch unverzichtbar zum gesellschaftlichen, zum kulturellen und religiösen, nicht zuletzt zum nationalen Selbstverständnis? Wo liegt die Grenze, hinter der das Eigene sich auflöst und das Fremde beginnt? Worauf spekuliert ein völkisches Identitätskonzept, das populistische Parteien in ganz Europa derzeit so erfolgreich propagieren, in einer globalisierten Welt?

Die Römerberggespräche wollen in Erfahrung bringen, wie mit individuellen Verunsicherungen und einem allgemeinen Unbehagen umgegangen werden kann? Was sagen uns diese Identitätskonflikte über unsere Gesellschaft? Welche Formen der Identität gibt es in einer pluralistischen Gesellschaft? Und wie soll ein liberaler Rechtsstaat mit den Herausforderungen gelebter und beanspruchter Mannigfaltigkeit umgehen? Wieviel Vielfalt können wir ertragen, wieviel Einheit müssen wir fordern, und was darf an wechselseitiger Integration verlangt werden?

 

PROGRAMM
10:00 Begrüßung
Eugenio Muñoz del Rio (Stadtrat)

10:15 Martin Seel
Phantasma Leitkultur. Plurale Wertorientierungen und demokratische Rechtsordnung

11:15 Philipp Blom
Wer gehört zu uns? Eine kleine Geschichte des Lebens mit Unterschiedlichkeit

12:15 Tatjana Hörnle
Bekleidungsverbote und Zwang zum Händeschütteln – Die Grenzen staatlicher Gewalt

13:00 MITTAGSPAUSE


14:00 Marina Münkler
Markierungen von Fremdheit und Blockaden von Zugehörigkeit – Zu aktuellen Konstruktionen von Identität

15:00 Identität: gegeben und erträumt
Katja Petrowskaja im Gespräch mit Alf Mentzer

16:00 Leitkultur oder Multikultur – Von Sinn und Unsinn einer begrifflichen Frontstellung
Eine Diskussion mit Priya Basil und Bassam Tibi

17:00 Claus Leggewie
Noch ein Abschied vom Proletariat. Warum sich ein stolzes Milieu von Le Pen, Trump und Petry kapern ließ

18:00 ENDE


Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Goethe-Universität Frankfurt.

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