Referent_Innen

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Simone Dede Ayivi

Simone Dede Ayivi ist Autorin und Theatermacherin. Ihre Performances sind gesellschaftspolitisch motivierte, meist interviewbasierte Rechercheprojekte. Sie erörtern Fragen von Repräsentation, Widerstand und Community und wurden unter anderem in Kooperation mit den Sophiensaelen Berlin, dem Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, sowie dem Festival Theaterformen entwickelt. Als Regisseurin war sie am Schauspielhaus Graz und dem Theater Oberhausen tätig. 2022 erhielt sie eine der Tabori-Auszeichnungen des Fonds Darstellende Künste.
Ayivi studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim. Sie ist eine der Autor*innen von „eure Heimat ist unser Albtraum“ und hat in verschiedenen Sammelbänden veröffentlicht. Sie schreibt weiterhin für zeitonline, Tagesspiegel, Deutschlandfunk Kultur und das Missy Magazin. Ihre Kolumne „Diskurspogo“ erscheint in der taz.

VITA

    • 2023


      THEMA
      Um die Öffentlichkeit als Ort der argumentativen Auseinandersetzung ist es derzeit schlecht bestellt. Es scheint in allen Lagern vielfach darum zu gehen, abweichende Meinungen als indiskutabel zu diskreditieren. Was der eigenen Überzeugung zuwider läuft, wird als gefährlich gebrandmarkt und soll aus dem öffentlichen Raum, aus Verlagsprogrammen, Museen oder Lehrplänen verbannt werden, kritisieren die einen. Andere erklären den immer wiederkehrenden Streit als Entwicklungsprozess einer gerechter werdenden Gesellschaft. Aber wer hat nun recht? Und geht es wirklich darum, was wir noch dürfen? In jedem Fall scheint die Fähigkeit zur empathischen Auseinandersetzung mit den jeweils anderen nicht mehr hoch im Kurs zu stehen. Stattdessen herrscht vielerorts die Arroganz der eigenen Unfehlbarkeit. Und wo öffentlicher Streit eigentlich ausgetragen werden sollte, wird er abgesagt. Anlass für die Römerberggespräche, danach zu fragen, wie sich Vernunft im öffentlichen Diskurs noch herstellen lassen kann, wenn die Leitplanken immer enger werden. Welche Gründe gibt es, bestimmte Meinungen und Gedanken für nicht mehr diskussionswürdig zu halten, und wann kippt die gute Absicht in ihr selbstgerechtes Gegenteil, in Borniertheit oder gar Ignoranz? Wo bleibt zwischen Wokeness und Cancel-Culture der Raum vielleicht für eine Kultur der Konsequenz als ein konstruktives Ringen um die besten Lösungen für die drängenden Probleme der Gegenwart für alle?
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