Birgit Aschmann ist Inhaberin des Lehrstuhls für Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts (W3) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Studium der Medizin und der Geschichte, Deutsch und Spanisch in Kiel, mit Studienaufenthalten in Madrid, Málaga und Guayaquil (Ecuador) Promotion in Kiel: „Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Spanien 1945-1963“. Habilitation an der Universität zu Kiel mit der Schrift „Preußens Ruhm und Deutschlands Ehre. Der nationale Ehrdiskurs im Vorfeld der preußisch-französischen Kriege im 19. Jahrhundert“. Principal Investigator beim IMPRS „Moral Economies of Modern Societies“. Projektleiterin bei der DFG-Forschungsgruppe „Katholischsein“ (Projekt: Die sozialen und emotionalen Folgen von Humanae vitae: Protestrituale, sakramentale Erfahrungen und Körperpraktiken). Gegenwärtig bereitet sie ein Forschungsprojekt zur Cholera im 19. Jahrhundert sowie eine Publikation zum Umgang mit der „Natur“ im 19. Jahrhundert vor. Im Juni erscheint im Wallstein-Verlag ihr Buch zum Thema: „Beziehungskrisen. Eine Emotionsgeschichte des katalanischen Separatismus“.
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2021
THEMADie Pandemie gerät zum Stresstest – nicht nur für das Individuum, sondern auch für das politische System. Grundrechte werden eingeschränkt, Gesetze zu Verordnungen verkürzt. Die Regierung inszeniert sich als effizienter Krisenmanager, der aus wissenschaftlichen Erkenntnissen alternativlose Konsequenzen zieht. Grenzüberschreitend werden angesichts der viralen Bedrohung Rückfälle in autoritär anmutendes Staatshandeln und überwunden geglaubten Nationalismus sichtbar. Bleibt den Bürger*innen derweil nur noch Angst und Ohnmacht, wenn Experten das Sagen haben? Welche Langzeitfolgen wird der fortgesetzte Lockdown haben – psychisch und politisch? Was wird aus individueller Freiheit, wechselseitigem Vertrauen und staatsbürgerlicher Souveränität? Wie verändert sich das Verhältnis von Staat, Wissenschaft und Gesellschaft? Wie kann die Zivilgesellschaft wieder zum Ort einer kritischen Öffentlichkeit werden? Wieviel Vertrauen müssen wir dem staatlichen Handeln und wissenschaftlicher Wahrheit gegenüber aufbringen; wie sehr können wir es in Frage stellen – ohne haltlosem Verschwörungsglauben in die Hände zu spielen? In Krisenzeiten werden die Grenzen und Möglichkeiten des Politischen neu bestimmt – mit welchen Risiken und Nebenwirkungen? Das fragen die Römerberggespräche im Superwahljahr 2021 und vier Monate vor der Bundestagswahl.
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