Ali Fathollah-Nejad, Dr. (PhD), ist ein deutsch-iranischer Politologe und Autor mit Schwerpunkt Naher/Mittlerer Osten, westliche Außenpolitik und post-unipolare Weltordnung. Zuletzt erschien von ihm Iran – Wie der Westen seine Werte und Interessen verrät, das als Standardwerk zu Iran gilt. Er ist Gründer und Direktor des Center for Middle East and Global Order (CMEG), einer ehrenamtlich geführten Denkfabrik, die zu Transformationen und einer Interessen und Werte versöhnenden Außenpolitik forscht. Er lehrt zudem Nahost-Politik und internationale Sicherheit an der Hertie School in Berlin. Fathollah-Nejad promovierte in Entwicklungsstudien und Internationalen Beziehungen an der renommierten School of Oriental and African Studies (SOAS) in London und war Postdoktorand an der Harvard Kennedy School.
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2026
THEMAEin neuer Politikstil macht international Karriere. Er ist gekennzeichnet von Vulgarität, Verrohung und erklärter Rechtsfeindschaft. Machtinteressen werden nicht mehr juristisch bemäntelt. Stattdessen wird das angebliche Recht des Stärkeren zur Staatsdoktrin gemacht – innenpolitisch wie außenpolitisch. Treibende Kraft hinter dieser Verrohung der politischen Sitten ist ein US-Präsident, der nicht nur die amerikanische Gesellschaft und Kultur, sondern auch die globale Ordnung nach seinen Vorstellungen und Interessen umgestaltet – und sich dabei immer unverhohlener als Monarch oder Cäsar geriert. Aber auch andere autokratische Politiker repräsentieren international diese Führerkultur, die in vielfacher Weise demokratisch-republikanischen Vorstellungen widerspricht. Die Römerberggespräche wollen diesen Politikstil verstehen. Was bedeuten solche Selbstinszenierungen, worauf gründen sie, und warum stoßen sie teilweise sogar auf Anklang bei den Wählern? Was kann dieser rücksichtslosen Selbstherrlichkeit noch entgegengesetzt werden, oder ist die neue Realität jene alte, in der „die Starken tun, was sie wollen, und die Schwachen ertragen, was sie müssen“ (Thukydides)?
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