geboren 1970, lehrt seit 2005 Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University. Im akademischen Jahr 2016-17 ist er zudem Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Er studierte an der Freien Universität Berlin, am University College London, am St Antony’s College der University of Oxford und an der Princeton University. Als Gastprofessor lehrte er in Paris an der École des Hautes Études en Sciences Sociales und am Institut d’études politiques. In seinen Publikationen hat er sich mit Fragen der Demokratietheorie und der politischen Ideengeschichte im 20. Jahrhundert beschäftigt. Zuletzt erschien von ihm 2016 der Band „Was ist Populismus?“, der bisher in fünfzehn Sprachen übersetzt wurde.
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2017
THEMAEin neues politisches Klima hält derzeit Einzug. Kampfbegriffe wie „fake news“, die Beschwörung „alternativer Fakten“ erzeugen ihre eigene Realität. Der Gegensatz von Wahrheit und Lüge scheint aufgehoben. Im „post-faktischen Zeitalter“ schlägt die Stunde der Populisten und Radikalisierer. Die aufgeklärte Gesellschaft muss sich fragen lassen, was sie dem Siegeszug der „gefühlten Wahrheiten“ entgegenzusetzen haben. Sind ihre Debatten nur noch „Aufklärung für die Aufgeklärten“, die Andersdenkende lediglich in ihrer Opposition bestärkt? Der Anti-Intellektualismus hat in Europa wie in den USA unterdessen äußerst wirksam emotionale Ressentiments entwickelt, gegen die kein Vernunftkraut gewachsen zu sein scheint. Die Kraft des besseren Arguments scheint sich aufgezehrt zu haben. Die Lust an der Lüge und der Erfolg des Autoritären sind untrennbar damit verbunden. Wie geht die Gesellschaft, wie gehen Intellektuelle, Künstler, Kabarettisten und Theaterleute damit um? Was kann kritisches Denken heute noch ausrichten? Wie muss es sich selbst hinterfragen, um kritisch zu bleiben? Und wie kann eine kritische Praxis aussehen, die zurück zu den Fakten und wirklichen Problemen führt?
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