geboren 1970. Studium der Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft in London, Oxford und Princeton; D. Phil. im Jahre 1999. Seit 2005 lehrt er Politische Theorie und Ideengeschichte in Princeton. Zahlreiche Buchpublikationen, auf Deutsch sind erschienen „Ein Gefährlicher Geist. Carl Schmitts Wirkung in Europa“ (2. Auflage 2011), „Verfassungspatriotismus“ (2010), „Das demokratische Zeitalter. Eine politische Ideengeschichte Europas im 20. Jahrhundert“ (2013) sowie „Wo Europa endet. Ungarn, Brüssel und das Schicksal der liberalen Demokratie“ (2013).
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2017
THEMAEin neues politisches Klima hält derzeit Einzug. Kampfbegriffe wie „fake news“, die Beschwörung „alternativer Fakten“ erzeugen ihre eigene Realität. Der Gegensatz von Wahrheit und Lüge scheint aufgehoben. Im „post-faktischen Zeitalter“ schlägt die Stunde der Populisten und Radikalisierer. Die aufgeklärte Gesellschaft muss sich fragen lassen, was sie dem Siegeszug der „gefühlten Wahrheiten“ entgegenzusetzen haben. Sind ihre Debatten nur noch „Aufklärung für die Aufgeklärten“, die Andersdenkende lediglich in ihrer Opposition bestärkt? Der Anti-Intellektualismus hat in Europa wie in den USA unterdessen äußerst wirksam emotionale Ressentiments entwickelt, gegen die kein Vernunftkraut gewachsen zu sein scheint. Die Kraft des besseren Arguments scheint sich aufgezehrt zu haben. Die Lust an der Lüge und der Erfolg des Autoritären sind untrennbar damit verbunden. Wie geht die Gesellschaft, wie gehen Intellektuelle, Künstler, Kabarettisten und Theaterleute damit um? Was kann kritisches Denken heute noch ausrichten? Wie muss es sich selbst hinterfragen, um kritisch zu bleiben? Und wie kann eine kritische Praxis aussehen, die zurück zu den Fakten und wirklichen Problemen führt?
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